Apr06
2011

Abenteuer DSL-Anbieterwechsel

Geschrieben 6. April 2011 von
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Wer seinen DSL-Anbieter wechselt, kann häufig viel Geld sparen. Leider ist ein solcher Wechsel aber nicht selten mit einer Menge nervenaufreibender Stressfaktoren verbunden, vor allem dann, wenn man seinen Anschluss vom einstigen Monopolisten zu einem der „neuen“ Anbieter verlegen möchte. Dann die Deutsche legt seinem designierten Ex-Kunden aber auch dessen künftigen Neuanbieter und eigenem Konkurrenten oft und gerne Sterne in den Weg, die den Weg zum meist günstigeren und Telefon- und DSL-Tarif sehr holprig werden lassen. Denn so einfach möchte man den Kunden nun auch nicht ziehen lassen. Dass sie die mit dieser Strategie alles andere als Freunde macht, ist in Bonn wohl noch niemandem aufgefallen.

In meinem Fall nannte die Telekom meinem neuen Anbieter Arcor einen falschen Portierungstermin. Hätte ich nicht zwei Wochen vor dem geplanten Wechsel noch einmal bei Arcor angerufen um alle Daten bestätigen zu lassen, hätte ich eine Woche lange ohne Telefon und Internet da gestanden: Die Telekom nannte nämlich meinem neuen Anbieter einen Termin für die Übernahme, der eine Woche nach dem eigentlichen Termin gelegen hat. Somit hätten das Bonner Unternehmen meinen Anschluss abgeschaltet und erst eine Woche später hätte Arcor meinen Anschluss bei sich aktivieren können. Ob nun Versehen oder Absicht lassen wir mal dahingestellt … Fakt ist aber, dass solche „Vorfälle“ sehr häufig auftreten. Und das sorgt noch mehr für den anhaltenden Kundenschwund bei, den die Telekom seit vielen Jahren erfahren muss. Prognosen zufolge soll 2013 nur noch jeder zweite angeschlossene Haushalt in Telekom-Hand sein, 2008 waren es noch mehr als 70 Prozent.

Aber auch beim Abschluss eines Neuvertrages bei einem anderen Anbieter als der Telekom macht es diese dem Kunden nicht gerade leicht und sorgt für einige Hürden. Grund ist hier die so genannte Letzte Meile. Diese gilt auch heute noch als eine nahezu unüberbrückbare Hürde, wenn ein Anbieter nicht selbst eine eigene Infrastruktur zu den einzelnen Haushalten aufgebaut hat. In den meisten Fällen bleibt der Anschluss ab der in der Hand der Telekom und wird vom Anbieter für den Kunden angemietet. Das hat zur Folge, dass die eigentliche Aufschaltung des Anschlusses durch die Telekom erfolgen muss.

Dazu kommt, dass in den meisten Fällen die Haustechnik, also der Strang vom Hausanschluss bis zur Telefondose an der Wand entweder noch der Telekom gehört (hier handelt es sich meist Überbleibsel aus der Monopolzeit und man findet hier oft noch das alten Bundespost-Logo auf Geräten) oder aber von dieser verwaltet wird. Und das heißt für die Mitbewerber, dass es ihnen strikt untersagt ist, hier Hand anzulegen. Das gilt für das Nachverlegen von TAE-Dosen genauso wie für die Freischaltung der Rufnummer/n und Aktivierung des Anschlusses. Somit muss als bei einer Neueinrichtung ein Telekom-Techniker beim Kunden vorbeikommen, um diese notwendigen Arbeiten vor Ort vorzunehmen. Dieser Techniker wird vom Anbieter direkt bei der Telekom beauftragt. Und hier schaltet die Telekom oft auf stur. Steht bei einem telekom-eigenen Neuanschluss der Techniker meist schon innerhalb von zwei Werktagen zu einem genau festgelegten Zeitpunkt freundlich vor der Tür, erhält man als „Fremdkunde“ meist einen Termin nach mehr als einer Woche Wartezeit. Und dann gibt es auch ein arbeitnehmerfreundliches Zeitfenster von 8 bis 18 Uhr – und das heißt noch lange nicht, dass der Telekom-Techniker auch wirklich vor der Tür steht. Oft wartet man als Kunde vergebens und erhält dann auf Nachfrage häufig die „Ausrede“ der Telekom, dass der Techniker den Kunden nicht angetroffen habe oder die genannte Adresse nicht stimmt.

Weiterer Ärger ist schon im Vorfeld zu vermeiden, wenn sich der willige Wechselkunde seinen Altvertrag genau durchliest. Zuerst sollte man sich erkundigen, welche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen man bei seinem Anbieter einhalten muss und ob der neue Anbieter die Kündigung übernimmt. In den meisten Fällen übernimmt dies der neue Anbieter: Das ermöglicht einen bequemen Providerwechsel und hat vor allem den Vorteil, dass technische Details, wie z.B. die der Rufnummern direkt zwischen den Anbietern geklärt werden können. Wer einen Anbieterwechsel plant, sollte seinen alten Vertrag deshalb auf keinen Fall vorab selbstständig kündigen. Die korrekte Vorgehensweise wird während des Bestellvorgangs beim neuen Telefonanbieter erläutert.

Wer den eigenen Umzug dazu nutzen will, seinen Anbieter zu wechseln, sollte vor allem die gültige Vertragslaufzeit im Auge behalten. Denn sollte eventuell eine Kündigungsfrist versäumt worden sein, kann es zu längeren Doppelzahlungen kommen. Aber auch falls der bisherige DSL-Vertrag noch eine Weile laufen sollte, ist der Anbieterwechsel im Falle des DSL-Umzugs eine attraktive Alternative, da beim neuen Anbieter teilweise sehr hohe Neukunden-Vorteile warten. Eventuell besteht darüber hinaus auch die Möglichkeit, sich mit dem alten Anbieter über eine vorzeitige Vertragsauflösung zu verständigen, beispielsweise durch eine Einmalzahlung. Damit der DSL-Wechsel reibungslos vonstattengehen kann, sollte beim Anbieterwechsel eine ausreichende Vorlaufzeit eingeplant werden. Allerdings lässt sich der neue Telefonanschluss in der Regel erst circa drei Monate vor dem Ablauf des bestehenden Vertrags beauftragen.

Vor allem beim Umzug sollte man sich im Vorfeld erkundigen, welche Anbieter welche Produkte, sprich DSL-Techniken und -Geschwindigkeiten, am neuen Standort anbieten. Gerade in den ländlichen Regionen ist man oft an die Angebote der Telekom gebunden, da hier die Mitbewerber erst langsam hin vordringen. In Ballungsräumen hat man aber seit einigen Jahren die freie Auswahl, was Anbieter und Technologie angeht.

Neben einigen kleinen, meist regionalen Anbietern bietet der Markt mittlerweile nur noch vier große Unternehmen für die Wahl des Telefon- und DSL-Anschlusses. Neben der Deutschen Telekom sind das , Alice und 1&1. übernahm 2008 das Festnetzgeschäft von Arcor (ehemals Mannesmann), nachdem man bereits 2000 die Mobilfunksparte D2 von Mannesmann übernommen hatte. Somit bietet in Deutschland, wie auch die Deutsche Telekom, ein komplette Produktportfolio am Kommunikationsmarkt – also Festnetz, Internet und Mobilfunk aus einer Hand. Arcor gehörte zu den Telefonanbietern, die über ein eigenes Festnetz bis auf die Ebene der Teilnehmervermittlungsstellen verfügen, ab dort jedoch die Anschlussleitungen der Deutschen Telekom nutzte. Arcor hatte so seit den neunziger Jahren zu etwa 66 Prozent der deutschen Haushalte sein Netz ausgebaut.

HanseNet, bekannt unter der Marke Alice, gehört seit 2010 zu Telefónica, die bereits in Deutschland mit O2 ein Mobilfunknetz betreiben. Ähnlich wie Vodafone bietet auch HanseNet seine Produkte rund um Festnetz- und Internet in einem eigenen Netz an, was bis zur Vermittlungsstelle, sprich zum Beginn der „Letzten Meile“ reicht. Durch die beiden Produktsparten Alice-DSL und O2 bietet auch Telefónica in Deutschland Festnetz, Internet und Mobilfunk aus einer Hand an. Vierter großer Anbieter ist 1&1 mit über 2,5 Millionen DSL-Endkunden. Bis 2007 vermarkte 1&1 ausschließlich DSL-Anschlüsse, die einen Telekom-Festnetzanschluss voraussetzen. Anders als Vodafone und Telefónica besitzt 1&1 kein eigens Festnetz in Deutschland sondern nutzt die Netze der anderen Anbieter.

Somit gibt es einen weiteren Aspekt, den man bei einem geplanten Wechsel des Festnetzanbieters in Erwägung ziehen sollte. Da die Anbieter bei bestimmten Tarifkombinationen Rabatte gewähren, ist es womöglich lukrativ, seinen Festnetzanschluss zu dem Anbieter zu legen, mit dem man bereits mobilfunktechnisch versorgt wird. Mit Ausnahme von E-Plus hat man diese Möglichkeit bei alle deutschen Mobilfunkanbietern (T-Mobile, Vodafone und O2).

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Geschrieben von Oliver Hartwich
Erschienen am Mittwoch, den 06. April 2011 um 20:57 Uhr | 9.552 Besuche
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    Das müssen Sie beim DSL Anbieterwechsel unbedingt beachten schreibt:

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