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FRITZ!Box am Kabelmodem einrichten

Kabel-Multimediadose für TV, Radio und Internet [1]

Kabel-Multimediadose für TV, Radio und Internet

Dadurch, dass an unserer neuen Wohnung nur DSL 2000 möglich ist und laut Anbieter auch in naher Zukunft kein Ausbau erfolgen wird, schaute ich mich nach einer alternativen Internetquelle um. Als einzige ernstzunehmende DSL-Alternative [2] kommt hier ein Glasfaserkabel-Breitbandanschluss über das Kabelnetz in Betracht. Schaut man sich die Technologie etwas näher an, erkennt man sogar zahlreiche Vorteile gegenüber DSL: Abgesehen von der deutlich höheren Bandbreite ergibt sich hier nicht der Nachteil, dass mit zunehmender Entfernung von der Vermittlungsstelle [3] die Signalqualität immer weiter abnimmt – eines der Probleme mit DSL. Auch die hohe Übertragungsgeschwindigkeit bleibt über lange Strecken absolut konstant und stabil. Eines der Probleme an meinem Telefonanschluss: „Meine“ Leitung lässt theoretisch Geschwindigkeiten von bis zu 6000 kbit/s zu aber die Dämpfungsrate der Leitung ist mit 45 dB extrem hoch, so dass bei mir nur 2.300 kbit/s ankommen.

Aktuell wirbt Kabel Deutschland [4] sehr stark für seine neue 100 MBit-Anbindung. Grund genug, sich das Angebot mal anzuschauen. Ich suchte allerdings kein Komplettpaket (Telefon und Internet), sondern nur einen Internettarif. Zum einen hab ich meinen Telefonvertrag vor einigen Monaten gerade verlängert, zum anderen habe ich keine Lust auf einen erneuten Rufnummernumzug. (Ich bin noch von den Pannen bei meinem aktuellen Wohnungsumzug mehr als bedient – an dieser Stelle ein Dankeschön an die Telekomiker aus dem Rheinland.)

Kabel Deutschland Internet-Tarife [4]

Kabel Deutschland [5] Internet-Tarife

Auch klingen 100 MBit sehr verlockend, aber müssen es nun wirklich nicht sein. Schließlich hat das auch seinen Preis. Meine Erfahrung bei solchen Verträgen: klein anfangen, Upgraden kann man immer schnell und problemlos. Nur einen Vertrag zu „verkleinern“ geht in der Regel nur nach Ende der Mindestvertragslaufzeit.

Hinzu kommt noch eine Sache, die man bei der 100 MBit-Variante beachten muss: Um die vollen 100 MBit/s auch voll zu errreichen, muss die gesamte Netzwerkhardware gigabitfähig sein. Meine Fritz!Box [6] 7270 hat leider nur 100 MBit/s-LAN-Anschlüsse. Und da ich die FritzBox weiterhin als zentralen Router einsetzen möchte, müsste ich hier erst ein Gigabitmodell als Nachfolger anschaffen.

speedtest.net [7]

speedtest.net

Somit hab ich mich für den „Internet & Telefon 32 flex“ entschieden. Dieser ist zwar auch ein Kombitarif, aber ist hier die Telefonflatrate nicht Bestandteil des Angebots. Man erhält diese zwar die ersten drei Monate kostenlos, ab dem vierten Monat kostet diese 5 Euro extra. Somit hat man eigentlich eine reine Internetflatrate mit 32 Mbit/sec im Down- und stolzen 2 Mbit/s im Upload. Und diese Werte sind nicht nur theoretisch, sondern werden in der Praxis tatsächlich erreicht und sogar noch überschritten: außerhalb der Rushhour hatte in schon Downloadraten von knapp über 4 Megabyte pro Sekunde …

Auch die Bearbeitung ging extrem zügig. Da ich ja keine Rufnummernportierung hatte, habe ich quasi einen Neuanschluss beauftragt. Mittwoch Abend bestellt, kam bereits die Woche drauf am Dienstag das Begrüssungsschreiben mit meiner nicht benötigten Rufnummer und zeitgleich auch das Starterpaket mit dem Kabelmodem [8].

Da wir in einem 2011er Neubau wohnen, ist hier die Verkabelung vom Feinsten. In jedem Zimmer eine Multimediadose mit vierfach geschirmten HD-Kabel. Somit brauchte man nur noch das Kabelmodem an die dritte Buchse der Antennendose anschliessen und das gute Stück einschalten. Nach einigen Sekunden war das Gerät hochgefahren und online. Einfach mal einen Laptop direkt mit nem Netzwerkkabel angeschlossen – und WOW. Es funktioniert. Speedtest.net verrät uns die vollen 32 MBit.

[aartikel]B003108AZI:right[/aartikel]Nun kam der etwas heiklere Teil: die FritzBox anzuschließen. Klingt eigentlich nicht schwierig – und das dachte ich anfangs auch – aber ohne die richtigen Handgriffe wird das nichts, zumindest, wenn man die FritzBox (weiterhin) als Router im Netzwerk verwenden möchte, also als Gateway zum Internet für alle angeschlossenen bzw. drahtlos verbundenen Clients

Zuerst muss man beachten, dass man vor der Umkonfiguration vom DSL-Modem zum Gateway das Kabelmodem noch NICHT mit der FritzBox verbindet. Verbindet man Kabelmodem und Fritzbox vor der Umkonfiguration des LAN 1, so funktioniert die Fritzbox nach der Umstellung möglicherweise als Switch: In diesem Fall erhält der erste verbundene Client die externe IP von KabelDeutschland als IP-Adresse, ein Anschluss eines weiteres Clients an das Internet ist dann nicht möglich.

Kabelmodem an der FRITZ!Box [9]

Kabelmodem an der FRITZ!Box

Außerdem ist zu beachten, dass das Arris [10] Kabelmodem nur zwei IP-Adressen vergibt: Hat man vor der Fritzbox-Konfiguration das Kabelmodem direkt an einem Rechner ausprobiert, dann ist die lokale bereits vergeben. Daher sollte man bei Problemen mit der IP-Vergabe am Modem dieses einfach vom Stromnetz trennen und ihm eine 15-minütige Auszeit gönnen.

Darüber hinaus sollte man den Einrichtungsassistenten der Fritzbox NICHT benutzen, sondern die Einstellungen per Hand vornehmen. Als erstes sollte – falls noch nicht geschehen – die Expertenansicht (Einstellungen > Erweiterte Einstellungen > System > Ansicht) aktiviert werden. Anschließend kann die Internetverbindung konfiguriert werden. Hierzu unter Einstellungen > Erweiterte Einstellungen > Internet > Zugangsdaten folgendes einstellen:

– „Internetzugang über LAN 1 / WAN“ aktivieren

– „Internetverbindung selbst aufbauen (NAT-Router mit PPPoE oder IP)“ aktivieren

– „Zugangsdaten werden nicht benötigt (IP)“ aktivieren

– „IP-Adresse automatisch über DHCP beziehen“ aktivieren („DHCP-Hostname“ leer lassen, dass füllt die FritzBox nach erfolgreicher Vebindungsherstellung zu KabelDeutschland automatisch aus)

– Die jeweiligen Werte für Up- und Downstream eintragen (in meinem Fall 2000 und 32000).

Fertig. Es kan nicht schaden, nun das Kabelmodem neu zu starten (kurz vom Stromnetz trennen), falls man das nicht eh schon gemacht hat. Bevor man nun das Modem mit dem LAN 1 verbindet, muss darauf geachtet werden, dass das Kabelmodem seinen Startprozess abgeschlossen hat und online ist. Jetzt kann die Internetverbindung von der Fritz!Box verwaltet werden. Man sieht nun auch im Onlinemonitor die grafische Auswertung der Verbindung.

Konfiguration des LAN 1 als WAN-Anschluss [11]

Konfiguration des LAN 1 als WAN-Anschluss

Die Internetverbindung wird nun von der FRITZ!Box selber hergestellt und gesteuert, so dass Ihnen auch in dieser Betriebsart alle FRITZ!Box-Funktionen (z. B. Internettelefonie, Firewall) uneingeschränkt zur Verfügung stehen.



Für den Fall, dass man sich aus der FritzBox „aussperrt“ und man über die eingestellte IP nicht mehr auf die Benutzeroberfläche kommt, hilft hier folgendes. Man deaktiviert an seinem Rechner das WLAN und entfernt aus Rechner und FritzBox sämtliche LAN-Verkabelungen. Nun verbindet man die FritzBox und den Rechner mit einem Netzwerkkabel und wartet, dass die FritzBox dem Client eine IP zuweist. Am besten verwendet man hierzu den LAN 2 an der FritzBox, für den Fall, dass die FritzBox bereits für den Betrieb als Gateway umkonfiguriert wurde und der LAN 1 nun nur noch für den WAN-Betrieb, also den Anschluss der Internetquelle, verwendet werden kann.

Wenn der DHCP-Server der FritzBox nicht konfiguriert oder – wie in meinem Fall – durch falsche Einstellungen nicht funktioniert, erhält der angeschlossene Rechner nach wenigen Minuten eine 169er IP zugewiesen. Nun kann man sich mittels 169.254.1.1, einer Art universellen „Notfall-IP [12]“, auf die FritzBox Zugang verschaffen und die falschen Einstellungen revidieren, die zum Aussperren geführt haben. Man muss die FritzBox also nicht hardreseten, da das zwangsläufig auch alle Einstellungen mit löschen würde.

Falls diese Hintertür dennoch nicht funktioniert, hilft nur noch ein kompletter Reset der Box, welcher das Gerät in den Werkszustand zurückversetzt. Hierzu muss man über ein angeschlossenes Telefon bei einem Freizeichen die Nummer

#991*15901590*

wählen und anschießend auflegen. Danach wird die FritzBox mit den Werkseinstellungen neu gestartet.

[aartikel]B004PNUG8Y:left[/aartikel]Btw. Wer eine gute Kombi aus N-WLAN-Router und Gigabitswitch – egal, als DSL-Modem oder als Kabel-Gateway – ohne ISDN-TK-Anlage sucht, der sollte sich die Fritzbox 3370 [13] anschauen. Dieser Router bietet 802.11N-WLAN wahlweise im 2,4Ghz- oder 5GHz-Netz mit bis zu 450 MBit/s und 4 Gigabitanschlüsse mit der bewährten Konfigurationsvielfalt der Fritz-Box. Amazon bietet die 3370 [13] für 149 EUR an, wer Mut zu Lücke hat, der sollte sich mal die Angebote in amazons WarehouseDeals anschauen. Hier verkauft Amazon technisch einwandfreie Produkte, die aus Retouren stammen, und verkauft diese mit teilweise massiven Preisnachlässen. Beispielsweise wurde hier die Fritzbox 3370 [13] im Zustand „Gut“ für 126 EUR angeboten. Das Gerät hatte optisch einen leichten Kratzer auf der Oberseite – was aber nicht weiter auffiel. Und 23 EUR Rabatt – das ist schon was. Selbstverständlich hat man vollen Kundenservice und 30-Tage-Rückgaberecht und natürlich vollen Anspruch auf Garantie.

-> FRITZ!Box-Modelle, die Internet-via-LAN 1-fähig sind (Quelle: avm.de) [14]