Sep03
2011
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Ein Stück Mobilfunkgeschichte: Der Nokia

Im Februar 2011 erschien nun endlich das Nokia E7, das die lange Tradition von Nokias Communicator fortsetzen soll. Grund genug für mich, diese Entwicklung aufzuarbeiten und 15 Jahre zurückzublicken.

Der Nokia Communicator ist ein Markenname für eine Reihe von business-optimierten Mobiltelefonen der Nokia Corporation. Gemeinsamkeit – und Einzigartigkeit zu ihrer Zeit – ist ihr Erscheinen als ein normales (wenn großes) Telefon – was die Außenseite angeht. Die Geräte lassen sich durch Aufklappen (-Design) in eine Art Mini-Computer verwandeln – komplett mit QWERTZ-Tastatur und einem LCD-Bildschirm. Alle Geräte besitzen Internet-Anbindung (was vor allem zur Zeit der ersten Generation eine Revolution war) und entsprechende Clients für Internet-und Nicht-Internet-Kommunikationsdienste. Die frühe 9000er Serie gilt als Grundstein der heutigen Smartphones. Beliebt bei Geschäftsleuten hat es jedoch kein Communicator geschafft, den wichtigen Markt des „normalen“ Business-Anwenders nachhaltig zu durchdringen, was letztlich in dem Segment zu viel Raum für weitere Lösungen ließ.

15 Jahre Smartphone-Geschichte: vom Nokia 9000 zum E7 – der Communicator

Der Urahn und für viele der einzig wahre Communicator: Nokia 9000

Der Nokia 9000 Communicator ist das erste Gerät in Nokias Communicator-Serie. Als dieser vor 15 Jahren auf den Markt kommt, revolutioniert er die mobile Kommunikation – trotz seiner Größe und seines Gewichts von knapp 400 Gramm. Auch wenn es zuvor bereits „Verbindungsversuche“ von Telefon und Organizer gab (in erster Linie das ), so gilt doch das Nokia 9000 als erstes erfolgreiches Smartphone – noch ehe Palm mit seinem Pilot-Geräten durchstartet und Compaq (später HP) seine PDA-Serie namens iPAQ mit Telefonfunktion ausstattet.

Vorreiter der Smartphone-Systeme ist PEN/GEOS 3.0 des Herstellers , was als Betriebssystem in den ersten beiden Communicator-Generationen dient. PEN/GEOS ist ein Abkömmling des PC/GEOS, einer grafischen präemptiven 16-Bit-Multitasking-Benutzerfläche für Personal Computer mit vorinstalliertem MS-DOS kompatiblem Betriebssystem. Nokia wechselt später auf einen anderen Prozessor und bildet hierzu eine Allianz mit Psion und dessen EPOC-System, um dann sein Symbian OS zu entwickeln. Wenig bekannt ist, dass Palm (der spätere Entwickler des Palm OS) seinen ersten Software-Marktauftritt innerhalb von PEN/GEOS 2.0, der frühen PDAs Zoomer und HP Omnigo 100/120 hat.

Drei Versionen Nokia 9000: Nokia 9000 (links bzw. oben), Nokia (Mitte) und Nokia (rechts bzw. unten)

Das Nokia 9000 ist eine der großen Attraktionen der CeBit 1996. Was auf den ersten Blick wie ein etwas zu groß geratenes Handy aussieht, entpuppt sich nach dem Aufklappen als vollwertiger Organizer. Bedingt durch den horrenden Preis von damals 2.999 DM (Verkaufspreis ohne Mobilfunkvertrag im Jahr 1996) ist der erste Communicator wohl fast ausschließlich für Firmen zur Ausstattung von „Managern“ und Geschäftsleuten interessant. Jedoch ist das Nokia 9000 für die damalige Zeit eine Revolution: Erstmals gibt es eine Art Mini-Computer für unterwegs, der auch gleichzeitig und ohne weitere Kabelagen mit dem Internet verbunden werden kann. Man darf aber nun nicht denken, dass das Nokia 9000 das erste Internethandy ist: Die mitgelieferte Software umfaßt zwar einen Internet-Browser, der allerdings nur ein Subset von HTML unterstützt: Im Internet unterhält Nokia eine Liste von WWW-Sites und Providern, die speziell für das Nokia 9000 aufgearbeitet wurden. Überhaupt muß der Browser als Zugabe verstanden werden, da der Seitenaufbau recht langsam vor sich geht (max. 9,6 kbit/s, zum Vergleich: heute surfen wir unterwegs mit bis zu 7,2 Mbit/s, also der beinahe 1000fachen Geschwindigkeit).

Heute nur noch selten zu finden: Nokia 9000il

Das Nokia 9000 als reines Single-Band-Gerät ist ursprünglich nur in einer GSM 900-Version („D-Netz“) verfügbar, wird später mit dem durch ein Modell für DCS 1800 ergänzt. 1997 ersetzt Nokia das 9000 durch das 9000i, was lediglich eine aktualisierte Softwareversion besitzt* und optisch durch seine modifizierte Antenne auffällt. Später lassen sich auch die 9000-Modelle mit der 9000i-Software nachrüsten. Speziell für den US-amerikanischen Markt und den dort verwendeten PCS 1900 Standard erscheint im Sommer 1998 unter dem Namen Nokia 9000il eine überarbeitete Version des 9000i. Diese unterscheidet sich von den restlichen drei 9000er Modellen durch ein modifiziertes Frontgehäuse und eine Displaybeleuchtung. Da der Nachfolger 9110 nur als GSM 900-Gerät gebaut wird, ist der 9000il in den USA bis zum Erscheinen des 9290 der einzige und aktuelle Communicator.

Die maximale Datenrate der 9000er Modelle beträgt 9,6 kBit/s, die Datenübertragung funktioniert über das ISDN-ähnliche CSD**. Eine weitere Besonderheit des 9000er-Communicator ist die variable Mehrgelenksantenne, die selbst unter schwersten Bedingungen noch für Empfang sorgt. Die Stand-By-Zeit beträgt maximal 24 Stunden. Das GSM-Bauteil baut technisch weitgehend auf dem Nokia 2110 auf – auch optisch ist hier eine gewisse Ähnlichkeit zu erkennen. Eine grundlegende Besonderheit dieses und der nachfolgenden Communicator-Modelle (bis einschließlich ) ist, dass Lautsprecher und Mikrofon auf der Rückseite, also der den Tasten und dem Display gegenüberliegenden Seite, untergebracht sind.

Nokia 9000 und Nokia 2110

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*) man beachte, dass es damals nicht möglich war, mal eben daheim am Computer sein Handy zu aktualisieren. Die Firmware damaliger Geräte war ein einem speziellen (E)EPROM-Baustein ((electrically) erasable programmable read-only memory) gespeichert. Diese nichtflüchtigen, elektronischen Speicherbausteine konnte nur mit speziellen Geräten beschrieben („geflasht“) werden – der Baustein wurde komplett gelöscht und dann neu beschrieben, außerdem war die Zahl der möglichen Schreibvorgänge begrenzt. Als Nachfolger dieser PROM-Bausteine kam dann der Flash-Speicher auf.

**) Circuit Switched Data ist ein Übertragungsverfahren beim Mobilfunk, bei dem eine Datenverbindung vom Mobilfunktelefon zu einer (beliebigen) Gegenstelle hergestellt wird. Diese Verbindung ist mit einem einfachen Telefongespräch vergleichbar. Im Unterschied dazu werden jedoch Daten mit einer Geschwindigkeit von 14,4 kbit/s (je Kanal) übertragen. Aufgrund einer Fehlersicherung der Übertragung bleiben für die Nutzdaten nur noch 9,6 kbit/s übrig. Dies entspricht einem Durchsatz von 1,2 kByte/s. Aktuelle Frequenzmodulationsverfahren können die 14,4 kbit/s komplett zur Datenübertragung nutzen. Jedoch geschieht dies auf Kosten der Fehlerkorrektur. CSD beherrscht jedes Handy, welches ein internes Modem besitzt. Eine Erweiterung von CSD mittels Bündelung mehrerer GSM-Datenkanäle stellt HSCSD (High Speed Circuit Switched Data) dar. Technisch möglich ist die Bündelung von maximal 8 Kanälen, in der Realität werden aber meist nur 4 Kanäle gebündelt, was immerhin eine Übertragungsrate von 57,6 kbit/s entspricht (zum Vergleich: ISDN im Einkanalmodus bot 64 kbit/s an).

Die Abrechnung dieser Datendienste erfolgt nicht paketorientiert (wie die heute verwendeten Verfahren , EDGE, UMTS oder ) sondern zeitorientiert: man bezahlt also (wie bei damaligen Festnetzdatenverbindungen) die Zeit, die man sich online befindet, unabhängig von der verbrauchten Datenmenge und ob man überhaupt Datenvolumen benötigt.

PCS = Personal Communication Service
DCS = Digital Communication Service

Sechsmal Communicator in 15 Jahren

Die zweite Generation: Nokia 9110

Auch wenn das Nokia 9000 überaus erfolgreich ist, hat es eine ganze Reihe an Schwächen. Daher bringt Nokia bereits 1998 den Nachfolger und somit die zweite Communicator-Generation auf den Markt, das 9110. (zur damaligen Zeit sind Produktzyklen von mehreren Jahren die Norm). Mit diesem Modell macht Nokia einen gewaltigen Entwicklungssprung: Dieser war auch sofort und auf den ersten Blick anhand von Größe und Form erkennbar.Aber auch zahlreiche Details werden verbessert. So wird bspw. das Problem gelöst, dass der Speicherplatz für Dokumente bis dahin relativ klein ist. Realisiert wird dies durch ein MMC-Kartenlaufwerk. Allmählich gibt es auch immer mehr Software von anderen Herstellern, die die Funktionalität des Communicators erweitert. Da sich 9110 und 9000 vom Betriebssystem her kaum unterschieden, laufen viele dieser neuen Programme auch auf den 9000er Modellen. Der 9110 ist nur halb so groß und halb so schwer wie der Ur-Communicator, die StandBy-Zeit steigt auf fast eine Woche an. Die GSM-Technik des 9110 stammt aus dem Nokia 6110, für die Datenübertragung wird weiterhin auf CSD gesetzt, die maximal mögliche Datenrate steigt auf 14,4 kBit/s.

Nutzen beide das gleiche Betriebssystem: Nokia 9000 und 9110

Wie bereits erwähnt, gibt es vom 9110 lediglich eine GSM 900-Version, so dass das 9110 in Deutschland nur in den beiden D-Netzen betrieben werden kann. 1999 bringt Nokia eine überarbeitete Version namens auf den Markt, die optisch vom 9110 nicht zu unterscheiden ist. Modifiziert werden lediglich der Akku und der Lieferumfang: Beim legt Nokia bereits eine 8 MB (wohlgemerkt „Megabyte“) große MMC-Karte dem Telefon bei. Auf dieser Speicherkarte sind drei Zusatzprogramme enthalten, die im 9110 nicht installiert sind. Das sind der WAP-Browser, Fotomail und eine zusätzliche Suchroutine. Mitglieder im Club Nokia, die bereits eine Speicherkarte besitzen, können ihren Nokia 9110 kostenlos aufrüsten, in dem sie die Zusatzprogramme aus dem Club Nokia laden. Alle anderen Nutzer haben die Möglichkeit, diese Programme und die 8MB-Speicherkarte als Upgrade im Nokia Shop zu erwerben.

Nokia 9110 und 9210i

Erstmals mit Farbdisplay: Nokia 9210

Im Jahr 2001 setzt Nokia seine Communicator-Serie mit der Einführung des Nokia 9210 fort. Optisch auf den ersten Blick (abgesehen von der Gehäusefarbe) mit dem Vorgänger identisch, offenbaren sich die Neuerungen im Inneren in zweifacher Hinsicht: zum einen, was die inneren Werte angeht, zum anderen bringt ein Aufklappen des Gerätes ein echtes Novum auf dem Markt – Nokia stattet das 9210 mit einem TFT-Farbdisplay aus, was kein anderes Mobiltelefon dieser Zeit aufweist. Aber auch die technischen „Innereien“ werden komplett überarbeitet. Setzen die ersten beiden Communicator-Generationen noch einen x86-CPU ein, so steigt man beim 9210 auf eine 32-bit ARM9-basierte RISC-CPU um. Größte Neuerung ist aber das Betriebssystem. Hier wechselt Nokia vom GEOS zu Symbian OS, mit dem ab sofort alle Nokia-Smartphones ausgerüstet werden und Nokia federführend die Entwicklung dieses Systems übernimmt. Bei den Modellen 9210 bis 9500i kommt die Benutzeroberfläche Series 80 zum Einsatz, die E90-Serie verwendet die Benutzeroberfläche Series 60. Bedingt durch diesen Plattformwechsel reisst die Kompatiblität zu den Vorgängermodellen an, Applikationen des 9000/9110 laufen also nicht mehr auf dem 9210. Größe und Gewicht bleiben zum 9110 fast unverändert und es können nun MMC-Karten mit bis 1 GB verwendet werden.

Unterscheiden sich optisch in erster Linie durch die Fronttastatur: Nokia 9210 und 9210i

Das 9210 ist der erste Dualband-Communicator, mit ihm können also sowohl GSM-900 also auch DCS-1800 SIM-Karten verwendet werden. 2002 erscheint dann zusätzlich eine Version für die vor allem in den USA eingesetzten PCS 1900-Netze mit der Bezeichnung Nokia 9290. Die 9210er Serie setzt weiterhin auf die zeitorientierte Datenübertragung, wenn auch bereits als HSCSD mit einer Datenrate von 43,2 kBit/s. Dennoch wird von vielen Nutzern das Fehlen der paketorientierten Datenübertragung GPRS als großer Mangel angesehen, der zum Markteintritt des 9210 bereits verbreitet ist. Der 9210 wird erstmals mit der Nokia PC Suite ausgeliefert, mit der das Handy am Windows-PC verwaltet werden kann.

Weiterentwicklung eines Klassikers: Nokia 9210i

Bevor das 9210 Ende 2002 vom Markt verschwindet, stellt Nokia im Frühjahr 2002 eine stark verbesserte Version namens 9210i vor. Gleichzeitig kommt auch eine spezielle Version für den chinesischen Markt ins Programm (Nokia 9210c), die sich in erster Linie von einer chinesischen Symbian-Version vom 9210i unterscheidet. Hauptunterschied der neuen Geräte ist das vergrößerte Flash-ROM.

[aartikel]B0000665L1:right[/aartikel]Viele der mitgelieferten Anwendungen sind nun vorinstalliert und müssen nicht mehr wie beim 9210 von der Speicherkarte aus gestartet werden – wodurch das unverändert 8 MB große System-RAM stark entlastet wird. Dies bringt vor allem bei Verwendung von Java-Anwendungen oder dem Webbrowser spürbare Vorteile. Auch werden beim 9210i der proprietäre Browser durch die Symbian-Version von Opera ersetzt. Äußerlich unterscheidet sich das 9210i vom 9210 durch die silberne Farbe der Tastatur.  [weiter …]

Familientreffen: Nokia 9000, 9110, 9210 und 9210i

Und nochmal: Nokia 9000, 9110, 9210 und 9210i

Nächste Seite: Weiter mit dem 9500

Seite 3: Bedienungsleitungen für Nokia Communicator

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Geschrieben von Oliver Hartwich
Erschienen am Samstag, den 03. September 2011 um 22:00 Uhr | 37.930 Besuche
Abgelegt unter Mobilfunk

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3 Kommentare zum Beitrag “[UPDATE] Nokia Communicator – eine Legende der mobilen Kommunikation”

  1. 1
    Theo schreibt:

    Super Zusammenfassung der Communicator-Geschichte, vielen Dank. Klasse ist auch die Datentabelle, eine solche Zusammenstellung hab ich schon länger gesucht.

    t.

  2. 2
    Emeline schreibt:

    Wonderful exoaanltipn of facts available here.

  3. 3
    Fabules Fab schreibt:

    Hallo,

    wo bekomme ich noch ein Software Update für den Communicator 9500 ? Ich brauche Version 5.2 oder neuer.

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